Zeugnisse - Testimonies


Die Anregung zu dieser Seite ist entstanden aus der Beschäftigung mit Zeugnisarbeit ("testimonies"), insbesondere mit den Arbeiten von Prof. Dori Laub, New Haven, USA, der in der Fachöffentlichkeit für seine Arbeiten und Forschungen mit Überlebenden des Holocaustes an den Juden durch die Nationalsozialisten weltbekannt ist. Aus seinen Arbeiten ist das "Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies" entstanden, das über 4000 Video-Zeugnisse von Holocaust-Überlebenden gesammelt hat.

Ich habe zunächst analog zu Dori Laub mit Video-Zeugnissen begonnen, aber nicht die technischen und materiellen Voraussetzungen gehabt, diese Videos mit deutsch zu untertiteln oder sie auf andere Weise einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. So ist im Gespräch mit meinem Sohn, der die Seite technisch betreut, die Idee entstanden, zumindest die Abschriften dieser Video-Aufnahmen oder schriftliche Zeugnisse ins Internet zu stellen, um eine Form von Öffentlichkeit herzustellen.

Alle die Menschen, die im folgenden zu Wort kommen, waren spontan mit meinem Vorschlag einverstanden. Es war für alle schwer, von ihren grausamen Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten, doch nachdem sie es getan hatten, fühlten sich die meisten erleichtert. Die Zeugnisse sind entweder Nachschriften von Aussagen vor laufender Video-Kamera oder auch direkte schriftliche Aufzeichnungen. Fast alle haben mich gebeten, ihre Namen nicht im vollen Wortlaut zu nennen, denn sie haben Angst vor ihren Peinigern, die noch heute an den Schalthebeln der Macht sitzen.


A.G., Jg. 1960
"Viele flehten die Wächter an, sie umzubringen, weil sie die Schmerzen nicht ertragen konnten."

D.D., Jg. 1944
"Ich habe immer noch Angst. Ich fürchte mich... Wir haben ihnen geglaubt, ich dachte nie, dass wir so was erlebten könnten, was wir erlebt haben..."

D.D., Jg. 1948
"Das waren auch unsere Arbeitskollegen, die wir für Freunde hielten..."

E.S., Jg. 1972
"Ich war so müde, so durstig, auf einmal war mir egal, ob sie mich töten, Hauptsache, daß alles endlich aufhört. So haben wir eine halbe Stunde gestanden und gewartet, daß wir umgebracht werden."

F.H., Jg. 1955
"...weil keine Nacht vergeht, in der ich nicht von irgend einem durchlebten Ereignis träume und in Angst aufwache. Denn alles, was ich mit fünf minderjährigen Kinder erlebt habe, ist schwer mit Worten zu beschreiben."

J.A., Jg. 1930
"Zwischen 1990 und 91 fing der Haß an und damit fing auch der Krieg an..."

M.B., Jg. 1966
"Während wir hingingen, uns zu ergeben, brannten schon einige Häuser im Ort."

M.C., Jg. 1960
"Wenn nur diese Träume nicht wären..."

M.D., Jg. 1948
"Wer bin ich? Ich bin ein niemand. Jetzt bin ich ein Niemand."

M.E., Jg. 1934
"Diese Bilder kann man nicht vergessen. Am liebsten habe ich es, wenn ich allein bin."

M.K., Jg. 1963
"Ich habe ihm am Ende das Geld gegeben, weil ich Angst um mein Kind hatte. Seitdem hat es immer Angst."

M.M., Jg. 1977
"Die Frauen und Kinder schrien vor Angst, wenn ihnen zugerufen wurde, daß sie gekillt würden."

M.P., Jg. 1956
"Das war eine menschliche Tragödie, die immer noch andauert, weil sie eingesehen haben, daß es in keinem Krieg Gewinner gibt und wir als Opfer können das nur verzeihen."

R.A., Jg. 1982
"...dann sagten sie zu meinem Vater und seinem Freund, sie könnten auch gehen, dann wollten sie gehen und dann schossen sie auf sie...und töteten sie."

R.D., Jg. 1952
"Der Austausch glückte trotzdem. Nach 799 Tagen bin ich doch frei."

S.A., Jg. 1961
"Aus nächster Nähe beobachteten wir schreckliche und niemals zu vergessende Greueltaten von Tätern, die ihre Opfer mit dem Messer niedergemetzelt haben und sie dann halbtot in die Drina geworfen haben."

S.A., Jg. 1967
"Wir Bosnier haben nichts gegen die serbische Armee und das serbische Volk gemacht und so haben wir dann gedacht, uns werden sie nicht okkupieren und wir können unbehelligt da weiterleben. Wir haben uns geirrt."

S.D., Jg. 1946
"Dann hörte ich einen Soldaten sagen :"Worauf warten wir noch? Laßt uns alle umbringen!"

Hava Tatarevic, Jg. 1938
"Von meiner Familie führten sie meine sechs Söhne und meinen Mann weg. Sie nahmen sie mir weg, mir blieben meine zwei Töchter und zwei Söhne zurück."