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Als das Wünschen noch
geholfen hat... Zur Behandlung extremtraumatisierter bosnischer
Flüchtlinge (Überarbeitete Fassung eines Vortrags an der Universität Gesamthochschule
Kassel am 22.1.2000, anläßlich des Symposiums Hans Keilson zu Ehren) Wie die Arbeit entstand Ich arbeite seit 1989 in eigener psychotherapeutischer und kinder- und
jugendpsychiatrischer Praxis in Wetzlar, einer kleinen Provinzstadt in
Hessen. 1992 wurden in dieser Stadt in einer ehemaligen Kaserne mehrere hundert
Flüchtlinge aus Bosnien aufgenommen, in den Jahren bis 1995 kamen noch
weitere hinzu, die aus dem Kriegsgebiet geflüchtet waren bzw. flüchten
mußten. Bis 1998 kam es auf Grund meiner Kontakte zu örtlichen Flüchtlingshilfeorganisationen
in Einzelfällen zur Vorstellungen und sporadischen Kontakten mit bosnischen
Patienten, meistens schwer verhaltensgestörten Kindern; eine psychotherapeutische
Arbeit mit Erwachsenen ergab sich jedoch nicht - heute ist mir klarer,
wieso nicht, aber dazu später. Seit Mitte 1998 hat sich jedoch eine immer intensivere auch psychotherapeutische
Arbeit mit bosnischen Patienten entwickelt. Der Hauptanlaß zu meiner Konsultation
war zunächst ein bürokratischer: es gab und gibt einen ministeriellen
Erlaß, für bosnische Flüchtlinge eine Duldung bis zum 31.3.2000 auszusprechen,
wenn sie 1. traumatisiert sind und sich 2. in ärztlicher und/oder psychotherapeutischer
bzw. psychologischer Behandlung befinden. Die zuständige Ausländerbehörde
hat diesen Erlaß nun so interpretiert, daß nur entsprechende Bescheinigungen
akzeptiert wurden, wenn sie von einem Facharzt stammten. Diese Regelung
war seitens der Behörde eigentlich nur als Schikane und Abwehrmaßnahme
zu verstehen, denn die Patientinnen und Patienten, die unter mannigfachen
psychischen und psychosomatischen Beschwerden litten und leiden, standen
im Regelfall nur in hausärztlicher Behandlung und wurden von diesen mit
Medikamenten versorgt. Dazu fallen bosnische Kriegsflüchtlinge seit 1997
unter die Bestimmungen des Asylbewerberleistungsgesetzes; nach diesem
Gesetz besteht Anspruch auf medizinische Leistungen nur für akute Erkrankungen,
psychotherapeutische Leistungen sind definitiv ausgeschlossen! Auf andere
Bedingungen, die die Inanpruchnahme von Psychotherapie für diese Patienten
schwer machen, komme ich später noch zu sprechen. In dieser Situation hat die örtliche Beratungsstelle für bosnische Flüchtlinge
(offiziell heißt sie: Beratungsstelle zur freiwilligen Rückkehr bosnischer
Kriesgflüchtlinge) dann Kontakt mit mir aufgenommen, so daß die Patienten
in meine Behandlung kamen. Ebenso wird von dort Hilfe bei der Übersetzung
geleistet für die PatientInnen, deren Deutsch noch nicht für eine sinnvolle
Verständigung ausreicht. Worunter die Patienten leiden Aus reinen Begutachtungsaufträgen ist inzwischen ein therapeutischer
Kontakt erwachsen, den ich ihnen etwas schildern möchte. Alle meine bosnischen Patienten leiden unter typischen posttraumatischen
Störungen, das sind ständige Alpträume, unwillkürliches, nicht wegschiebbares
Denken an die belastenden Ereignisse, schwere Schlafstörungen, in wechselndem
Ausmaß depressive Verstimmungen, diffuse Angstzustände, sozialen Rückzug,
mangelndes Vertrauen in menschliche Beziehungen, Arbeits- und Konzentrationsstörungen,
diffuse Unruhezustände, psychosomatische Störungen. Zur weiteren Verdeutlichung
möchte ich ihnen einen Bericht, eine Zeugnis einer Patientin vortragen.
Dieser Bericht ist eine übersetzte Mitschriften eines Video-Zeugnisses,
d.h. die Patientin wurde aufgefordert, vor der laufenden Kamera Zeugnis
über ihr Trauma abzulegen. Wir sind leider technisch noch nicht so weit,
daß das Video mit Untertiteln in deutschler Sprache gezeigt werden könnte,
aber es gibt auch inhaltliche Gründe, weshalb ich kein Video zeigen kann
- und das ist typisch für die Situation bosnischer Flüchtlinge derzeit:
fast alle Patienten mit traumatischen Störungen haben Angst, sich öffentlich
zu zeigen und öffentlich die Namen ihrer Peiniger zu nennen. Sie müssen
nämlich real damit rechnen, vom deutschen Staat abgeschoben zu werden
und mit ihren Verfolgern und Peinigern wieder zusammenleben zu müssen,
das macht die größte Schwierigkeit in der Behandlung der traumatischen
Störungen aus. Deshalb sind auch die Berichte anonymisiert. Nun zum Text, bei dem ich die Daten, mit denen die Patientin identifizierbar
wäre, weglassen muß. Es handelt sich nicht um die "schlimmste"
Geschichte, sie beschreibt eher ein Durchschnittsschicksal, in dem aber
die wesentlichen Bedinungen für das Entstehen psychischer Traumatisierungen
enthalten sind. Die Patientin gehört auch zu denen, die schon einigermaßen
zusammenhängend ihre Geschichte schildern können, was vielen anderen noch
nicht möglich ist. Ein Zeugnis Aufgefordert, mit Namen und Geburtsdatum und -ort zu beginnen, sagt sie:
"Wer bin ich? Ich bin ein Niemand. Jetzt bin ich ein Niemand. Ich
heiße...Ich bin am x.x.1948 in.Kozarac geboren. Damals war dieser Ort
eine Gemeinde, später haben sie uns auch die genommen. Wir wußten damals
nicht, was das bedeutet, seine Gemeinde zu verlieren. Ich lebte in einer
glücklichen Familie mit meinen Eltern, zwei Schwestern und zwei Brüdern."
Sie schildert dann ausführlich ein enges Zusammenleben mit ihrer Familie,
in einem großen "Familienhaus", wie sie es nennt und ihre Tätigkeit
als Angestellte. Ich zitiere in Auszügen weiter: Der Beginn "Bis dahin hatte ich 26 Jahre lang gearbeitet und ich habe meine
Arbeit geliebt. Am 20. Mai war ich zur Bank gegangen. Auf der Straße waren
Kollonnen von Lastern mit Soldaten. Auf einem Laster war ein Kopf von
einem Stier und es stand geschrieben “Wölfe aus Vukovar”, “unsere Soldaten”.
Da hatte ich mich noch nicht gefürchtet. Am Freitagmorgen war mein Bruder,
der in Prijedor gearbeit hat, auf dem halben Weg zur Arbeit zurückgeschickt
worden (sie haben alle Moslems und Kroaten zurückgeschickt). Da wußten
wir noch nicht, daß wir von allen Seiten umzingelt waren. Am Samstag war
ich wie gewohnt zur Arbeit gegangen. Um 12 Uhr wurde ich von einer Kollegin
zum Kaffee eingeladen. Wir saßen in einem Straßencafé. Auf einmal ertönten
die Sirenen. Ich rannte, hatte aber Stöckelschuhe an. Ein Nachbar sagte,
ich soll die Schuhe ausziehen und wegrennen. Als ich zuhause ankam, war
meine Familie schon in dem Luftschutzbunker. Ich habe mir dann schnell
einen Trainingsanzug angezogen und bin ihnen gefolgt. Der Luftschutzbunker
war voll. Kinder ohne Eltern – ein riesiges Chaos. Abends haben wir schon
beobachtet, wie ein Vorort von Prijedor brannte. Wir haben uns schon gedacht,
daß uns so etwas passieren wird, da 93% der Einwohner aus Kozarac Moslems
waren, und wirklich, am nächsten Abend brannte auch Kozarac. Am Montagmorgen
flohen wir in den Wald. Alles sah so aus, als würden wir uns einen Film
über den Zweiten Weltkrieg angucken. Verbannung, ich hätte nie gedacht,
daß ich so etwas erleben würde.... Ich war die Zielscheibe eines Maschinengewehrs. Sie haben uns von allen
Seiten beschossen. Meine Tante hatte einen Schock erlebt, denn in dem
Moment, als sie in unserer Richtung ging, wurde ein LKW, in welchem sich
Kinder und Frauen befanden, von einer Granate getroffen. Alle Insassen
wurden in Stücke gerissen. Meine Tante war in diesem Moment verstummt
und starb bald darauf.... Vertreibung, wahllose Erschiessungen, Lager Wir waren auf die Straße gegangen und stellten uns in einer Kolonne an.
Wir waren uns nicht bewußt, was uns erwartet, bis wir die Autobahn Prijedor
– Banja Luka erreicht hatten. Da stand ein Panzer und unzähliche bewaffnete
Soldaten. Ich weiß nicht, wie lange wir auf der Autobahn entlang gelaufen
waren, bis der Befehel kam, Frauen und Männer sollen getrennt werden.
Mein Mann und meine Bruder verließen mit den anderen Männern die Kolonne
und blieben mit ihnen dort. Ich empfand, daß mein 14jähriger Sohn nicht
dahingehört, aber für die war er ein Mann und sie wollten ihn mir wegnehmen.
Ich hielt mein Kind fest und bat zu Gott, daß er mir nicht weggenommen
wird. Ein Soldat kam und versuchte, ihn aus meinem Griff zu befreien,
doch ich habe ihn gebeten, angefleht und Bruder genannt, meinen Sohn bei
mir zu lassen, weil er mein Leben ist. Er sagte zu mir, daß ich überhaupt
keine Rechte hätte, nicht einmal am Leben zu bleiben. Dann hat er mein
Kind weggezerrt.... Wir waren an der ersten Bushaltestelle angekommen, wir durften uns nicht
umdrehen, um zu sehen, ob uns die Männer folgten. Dann erreichten auch
die Männer diese Stelle. In dieser Kolonne stand auch unser Nachbar, ein
gutaussehender junger Mann, welcher in seinen Armen sein zweijähriges
Kind hielt. Sie haben ihm sein Kind weggenommen und ihn über die Straße
in ein noch heilgebliebenes Haus geführt. Bald hörte man schreckliche
Schreie. Wir haben keine Schüsse gehört, doch unser Nachbar kam nicht
mehr lebend aus diesem Haus. Dann kam der nächste Mann auf die gleiche
Weise um. Dieses Geschehen wurde oft wiederholt. Sie haben auch einen,
mir bekannten, Geschäftsführer mitgenommen. Diesen sahen wir nie wieder.
Wir gingen noch ein Stück weiter, dann zwangen sie uns, in Busse einzusteigen.... Sie hielten jede 15 Meter. Man hörte nur ein geflüsterte Frage: “Werden
sie uns umbringen?” Ich weiß nicht, wie lange wir noch gefahren sind,
dann kamen wir in Trnopolje an. Als wir dort agekommen waren, nannte sie
es schon Sammelzentrum.... Die Männer haben Plätze unter den Schulbänken gefunden und wir saßen
auf den Stühlen. So haben wir auch die Nächte verbrahct. Mein Cousin war
Krankenpfleger und wurde in die Nothilfeambulanz geordert. Ich wußte nicht,
was alles geschah, aber wann immer er kommen konnte, wiederholte er immer,
daß wir diesen Ort verlassen müssen und die Kinder in Sicherheit bringen
sollen, besonders weil die Tochter meines Bruders schon eine junge Frau
war. Das alles war so schrecklich, daß ich mich überhaupt nicht erinnern
kann, wieviele Tage wir dort verbracht haben und ob wir überhaupt gegessen
haben. Wir hatten etwas Nahrung mitgenommen. Ich glaube, daß wir nur einmal
Brot bekommen haben. Es gab kein Wasser, keine Toilletten, es war die
Hölle. Ghettoisierung Irgendwann wurden wir benachrichtigt, daß alle Frauen und Kinder das
Lager verlassen müssen und in den Vorort von Prijedor – Cela, ein Ghetto
für Moslems, versetzt werden. Ein Bekannter von meiner Schwägerin sagte
mir, daß ich gehen kann, mein Sohn aber bleiben muß. Ich sagte ihm, daß
sie mich ohne meinen Sohn nur tot mitnehmen werden.” Ausführlich schildert sie dann, wie es ihr gelungen ist, mit Hilfe eines
ihr bekannte (serbischen) Lehrers, ihren Sohn aus dem Lager mitzunehmen. “...Nach einigen Tagen brannte die Altstadt Prijedors (von den Moslems
bewohnt). Wir saßen alle im Keller. Um drei Uhr kamen zu uns noch weitere
Familienangehörige (ohne Ehemänner) aus Kozarac, die zuvor aus der brennenden
Altstadt vertrieben wurden und in einem alten Hotel eingesperrt wurden.
Meine Cousine dachte in dem Augenblick, daß es besser wäre, sich und die
Kinder zu töten, als daß man sie wieder in das Lager Trnopolje zurückschickt.
Sie wurden von einem jungen Mann gerettet, der seine Freundin, ebenfalls
aus Kozarac, zwischen diesen Frauen suchte. Er brachte sie dann zu uns. Am Morgen kamen wir aus dem Keller wieder in die Wohnung. Wir betrachteten
uns gegenseitig und merkten dabei, daß unser Haar grau geworden war. So
habe ich erfahren, daß dies auch über nur eine Nacht geschehen kann. Vor dem Krieg trug ich die Kleidung in der Größe 42. In den Tagen aber
trug ich die Hosen meines 13jährigen Neffen. Wir lösten uns langsam auf.
Die Kinder konnten irgendwie essen und reden, mein Sohn aber schwieg die
ganze Zeit. Eines Abends bereiteten wir beim Kerzenlicht das Abendessen vor. Mein
Sohn war alleine im Schlafzimmer. Einer sagte mir, daß er weint. Ich ging
ins Zimmer. Er weinte, ohne einen Laut von sich zu geben. Man sah nur
Tränen. Ich sprach ihn an, aber er antwortete nicht. Ich geriet in Panik.
Dann aber kam die Schwägerin. Sie schüttelte ihn und schlug ihn paar mal
ins Gesicht. In dem Augenblick gab er einen Laut von sich. Er sagte mir:
“ Mutti, ich habe Angst”. Ich sagte: “Ich bin bei dir, du sollst keine
Angst haben” “Mutti, ich fürchte, die werden mir die Kehle durchschneiden”.
Bis zu diesem Augenblick wußte ich nicht, daß er Zeuge solcher Taten war.... Menschen müssen zu Tieren werden, um sie töten zu können Als ich an einer kleinen Brücke, die nach Puharska führte, angekommen
war, sagte ein Soldat, ich solle stehenbleiben. Ich sagte, daß ich eine
von ihnen bin. Er sagte: “eine Kuh wie die anderen Kühe”. Alle Soldaten
trugen Handschuhe und schwarze Brillen. Nie konnte man genau erkennen,
wo sie gerade hinguckten. ... Die Busse fuhren los. Wir erreichten Kozarac. Dort brannten die Häuser
und das Vieh lag tot auf dem Weg. Auf der Hauptkreuzung hielten die Busse,
wir wußten nicht, warum. Dann kamen zwei Soldaten mit Tüten und forderten,
daß wir alles Wertvolle hineintun sollten. Meine Mutter hatte einen Ring,
der schon 30 Jahre auf ihrem Finger war und konnte ihn nicht mehr abtun.
Als einer von den Soldaten kam, sagte ich, daß der Ring klemmte. Dann
hat er auf sein Messer, welches auf seinem Gewehr befestigt war, gedeutet
und gesagt: “Du wirst sehen, wie leicht ich das machen kann.” In diesem
Schockzustand schafften wir es doch, den Ring abzumachen und in die Tüte
zu werfen. Ich hatte in meiner Handtasche noch 600 DM versteckt. Ich zerriß
die Tasche und übergab das Geld. Sie haben uns alle ausgeplündert. Sie
waren sich nicht bewußt, daß wir seit dem Tag, als wir unsere Hüser verlassen
mußten, materielle Dinge nicht mehr schätzten. Sie haben uns aber unsere
Seelen nicht genommen.... Man hörte nur den Befehl, wenn jemand den Kopf hebt, wird er erschossen.
Ich hatte ein neugeborenes Kind, welches zuvor im Wald auf die Welt kam,
auf dem Schoß. Der Säugling weinte nicht, obwohl wir ihm nichts zu essen
geben konnten.... Die Busse hielten in Skender Vakuf an....Wir gingen die ganze Nacht und
kamen in Travnik an. Da konnten wir zum ersten Mal darüber sprechen, was
uns alles zugestoßen war. Da haben wir erfahren, wieviele von unseren
Verwandten und Bekannten ermordert wurden und daß mein Mann und mein Bruder
noch am Leben sind und in einem Lager gehalten werden. Von da aus ging
unser Weg weiter: Zagreb, Karlovac, Deutschland. Mein Mann kam nach acht
Monaten nach. Als er ankam, sah er nicht mehr so aus wie er, sondern wie
sein verstorbener Vater. Flash-backs, Alpträume und das Leiden an der dritten traumatischen Sequenz Alles wäre besser, wenn es keine Träume gäbe. Ich erinnere micht nicht
mehr an den Mann, der mir meinen Sohn wegnehmen wollte, doch seine Augen
sehe ich oft in meinen Träumen, diese Augen verfolgen mich. Ich frage
mich, ob ich mein Kind dorthin zurückbringen kann, wo es dies alles erlebt
hat und zwischen diese Menschen, die ihm das alles angetan haben, da diese
noch immer dort leben. Ich weiß immer noch nicht, was mein Sohn alles
gesehen hat. Ich habe noch keinen Mut, ihn danach zu fragen. Vielleicht
wird er einmal das Bedürfnis haben, alles zu erzählen. Hoffentlich werden
wir einmal einen Ort finden, wo wir wieder das werden können, was wir
einmal waren – Menschen, die das Recht auf Zukunft haben, auf Bestimmungen,
Menschen, die etwas erreichen können, die einfach wie andere Menschen
leben können. Was soll ich noch erzählen, ich kann einfach nicht mehr.
Das waren keine Menschen, das sind Ungeheuer. Denn wenn jemand in einem
13jährigen Mädchen eine Person zum Vergnügen sieht, dann ist das kein
Mensch, sondern ein Ungeheuer. Nachts hatten die Mädchen versucht, sich
unter Röcken zu verstecken und sich ihre Haare abgeschnitten, um unbemerkbar
zu sein. Und jetzt nehmen diese Menschen sich das Recht zu sagen, daß
dort keine Menschen vergewaltigt wurden. Vielleicht hätte ich das alles,
was ich jetzt sage, schon am ersten Tag, als ich gekommen war, erzählen
sollen. Es war verwunderlich, daß wir Beruhigungsmittel verweigerten,
wir brauchten nämlich keine Beruhigungsmittel, sondern hatten das Bedürfnis,
alles zu erzählen, unsere Seelen zu beruhigen, jemanden zu finden, der
uns versteht. Niemals werde ich ein junges Mädchen vergessen, ein
wunderschönes Mädchen mit langen blonden Haaren. Sie kam zu meiner Cousine,
um sich ihr Haar schneiden zu lassen. Wir fragten sie, warum sie ihre
schöne Mähne schneiden lassen will und sie sagte, daß sie Angst vor einem
Mann hat, der sie immer verfolgt und der geschworen hatte, sie wiederzufinden.
Sie wurde nämlich von einem Schulkameraden vor diesem Mann gerettet. Aus
dem Gespräch entnahmen wir, daß dieser Vorfall bei ihr geistige Störungen
hinterlassen hat. Dies ist ein Schicksal eines Mädchens, doch leider gibt
es so viele ähnliche Schicksale.” Die traumatische Struktur der Zeugnisse Wenn sie dieser Bericht (und die anderen Berichte) verwirrt, weil sie
an einigen Stellen den Faden der Erzähung verloren haben, dann ist das
typisch, wenn die Menschen anfangen, ihr Trauma wiederzugeben: es gibt
häufig nur einzelne Bilder und Geschehnisse, der Sinnzusammenhang ist
gestört und es fällt ihnen unglaublich schwer, die Geschichte zu einem
zusammenhängenden Ganzen zusammenzubinden. Noch heute, nach mehr als sieben
Jahren, stehen die Menschen fassungslos vor dem Geschehen, vor dem Einbruch
von Gewalt und blankem Haß in ihre Welt. Wir kennen den Abwehrmechanismus
der Dissoziation bei schweren Persönlichkeitsstörungen und Kindheitstraumata.
Es hat eine ganze Zeit lang gebraucht, bis ich die spezifische Dissoziation
dieser Patienten erkannte: sie wissen um ihr Trauma, es ist bewußt - und
es ist doch nicht bewußt, weil es nicht als zusammenhängende Geschichte
vorliegt, nur in einzelnen Bildern; eine spezifische Dissoziation, die
ich auch so noch nicht in der Fachliteratur beschrieben fand. Für Laien erklärt: das Geschehene erscheint so unglaublich, so unbegreiflich,
so wider alle menschliche Erfahrung, daß die Seele sich schützt, indem
sie dem Menschen vormacht, es sei wirklich unglaublich und gar nicht richtig
passiert, es sei nur ein Traum, ein Film, das kann gar nicht passiert
sein. Weil es aber doch passiert ist, läuft der Film immer wieder ab und
die Patienten werden durch ständige Erinnerungen und Alpträume geplagt.
Das Schlimme gerade bei den bosnischen Patienten ist, daß der reale Alptraum
immer noch andauert, deshalb können die Bilder nicht verblassen, nicht
verdrängt werden, wie wir es sonst, auch bei extremtraumatisierten Patienten
gewohnt sind. Das macht wohl auch das spezifische Krankheitsbild aus. Das Besondere: niemand hat mit dem Überfall und der Vertreibung gerechnet Was auch bei diesen Berichten deutlich wird, ist der
plötzliche und unvermutete Einbruch von Haß und Gewalt, Vertreibung und
Behandlung der bosnischen Muslime als Untermenschen, als Tiere, als nicht
lebenswerte Menschen. Alle meine Patienten und Patientinnen schildern,
daß sie mit dieser gezielten Ermordung und Vertreibung ihres Volkes, der
bosnischen Muslime, nicht gerechnet haben. Es gab keinen Vorlauf, eine
Zeit, in der sich rassistische Spannungen besonders deutlich gezeigt hätten.
Ja, es gab die serbisch-nationalistische Propaganda im Fernsehen seit
1989, aber keiner hat daran gedacht, welche Folgen das haben könnte. Man
wurde Ziel einer Verfolgung auf Grund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten
Volksgruppe, der bosnischen Muslime, dabei war vielen gar nicht mehr bewußt,
daß sie überhaupt Muslime waren. Auf Grund einer längeren Tradition multikulturellen
Zusammenlebens in großen Teilen Bosnien-Herzegowinas und auch auf Grund
der atheistischen Erziehung in Jugoslawien waren religiöse Zugehörigkeiten
kaum noch bewußt, geschweige denn, daß sie identitätsstiftend waren. Es
ist dieser Völkermord, der sich in den psychischen Störungen, der Identitätsverwirrung
immer wieder darstellt, der die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes
verrückt macht und sie an allen Wurzeln ihrer Identität zweifeln läßt.
Es ist, wie es Prof. Dori Laub aus Yale, USA, ein international renommierter
Fachmann, der über die Folgen des Holocaust geforscht hat, ausdrückt:
das Trauma hinterläßt ein "schwarzes Loch", oder, wie es einmal
eine Patientin, die vergewaltigt worden war, ausdrückte: "Sagen sie
mir, was ist schlimmer, getötet zu werden, oder zu leben und keine Rechte
als Mensch zu haben, jemand direkt zu töten oder seine Seele zu ermorden?".
Die oben zitierte Patientin hat dies, stellvertretend für viele, so ausgedrückt:
"Ich bin ein Nichts, ein Niemand." Dritte traumatische Sequenz und Verlust der identitätge-benden
Kultur Das ist auch das Schwierigste an der Bewältigung der traumatischen Situation
heute: die Kultur, die Identität der bosnischen Muslime, von Bosnien überhaupt,
ist zerstört, es gibt nicht mehr das Land, wo sie gelebt haben. Wer sich
nicht einer der drei Volksgruppen eindeutig zuordnen und sich keiner nationalistisch-rassistischen
Propaganda anschließen will und kann, hat in Bosnien keine Heimat mehr,
die Kultur des multiethnischen Zusammenlebens ist zerstört. Das ist übrigens
auch bemerkenswert und widerspricht der in Deutschland geführten Diskussion
zu Teilen: es gab eine beständige Kultur multikulturellen und multiethnischen
Zusammenlebens in Bonsien über schon mehrere Generationen, ja Jahrhunderte
hinweg. Dies war die Kultur von Bosnien. Das Ziel des Regimes Milosevic
und von Karadzic (von den Patienten "Dr. Schlächter" genannt)
war die Zerstörung genau dieser Kultur, dieses Miteinanders und die Etablierung
eines nationalistisch-rassistischen Denkens. Es war nicht "uralter
rassicher Haß", der den Bosnienkrieg verursacht hat, sondern das
faschistische Regime Milosevic, das sich mit dem Regime Tudjman (Kroatien)
verbündet hat, um Bosnien unter sich aufzuteilen. Opfer kollektiver Schuldgefühle der Politik Und auch ganz real gibt es für die Menschen, die ich betreue, keinen
Platz, da in ihren Heimatorten heute weiter das Regime Milosevic regiert
und sich auch die UNO nur tagsüber in dieses Gebiet, die sogenannte Republika
Serpska im Nordwesten Bosniens, hineintraut. Es wird in Deutschland verschwiegen,
daß sich dieses Regime bis heute weigert, die Leute in ihre Häuser zurückkehren
zu lassen, geschweige denn, die damals Schuldigen und Kriegsverbrecher
zu bestrafen. (Aktuell ist ein Vertrauter von Karadzic zum Präsidenten
der “bosnischen Serbenrepublik” gewählt worden!) Es gibt in diesem Sinne
keine Heimat mehr, in die man zurückkehren könnte. Genau das, und dies
ist die politische Dimension auch unserer Arbeit, wird jedoch von der
Politik, den Medien und der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen und führt
zur weiteren Traumatisierung meiner Patienten. Es gibt bis heute keine
Regelung über den 31.3. hinaus für traumatisierte Flüchtlinge, sie werden
alle im Frühjahr und Sommer mit Abschiebung bedroht werden, obwohl man
weiß, daß die Selbstmordrate in Bosnien stetig ansteigt. Ich habe den
Eindruck, daß die Politik, Rechte wie Linke, das Thema Bosnien möglichst
schnell vergessen und verdrängen will, weil hier alle Seiten in den letzten
Jahren versagt haben. Man hat - erneut - einem Völkermord zugesehen und
will nicht mehr daran erinnert werden. Daß kein Interesse an der Aufarbeitung der Geschichte des Bosnienkrieges
besteht, kann man auch daran erkennen, daß es noch nicht einmal ein effektives
Zeugenschutzprogramm gibt: ich habe einige Patienten, die sagen, sie würden
vor einem Gericht aussagen und könnten die Mörder und Vergewaltiger benenne,
aber sie können sich nicht sicher sein, ihnen nicht im nächsten Jahr als
Bürgermeister ihres Ortes wiederzubegegnen! Es gibt Abschiebeschutz nur
solange, wie die Leute in Den Haag als Zeugen gebraucht werden! Was weiß ein Provinzpsychotherapeut von psychischen Störungen nach Völkermord? Aber nun zur therapeutischen Arbeit in der Praxis, wobei die Benennung
der historischen Fakten auch ein Teil der therapeutischen Arbeit ist:
als ich das erste Mal längere Interviews mit diesen Menschen geführt habe:
Frauen, die vergewaltigt worden waren, Männer, die Monate und Jahre in
serbischen Konzentrationslagern gefangengehalten worden waren, hatte ich
kaum Worte für dieses Erleben. Ich sah vor allem Männer, die in einem
Ausmaß seelisch gebrochen waren, wie ich es in 20 Jahren psychiatrisch-psychotherapeutischer
Tätigkeit außer bei schweren Psychosen noch nicht erlebt hatte. Ich stand
diesen Störungen gegenüber und ich muß gestehen, ich wußte erst einmal
überhaupt nicht, was ich eigentlich machen sollte. In meinen Lehrbüchern
stand wenig über posttraumatische Störungen, erst vor kurzem waren sie
ja erst in die ICD 10, die offizielle psychiatrische Nomenklatur als eigenes
Krankheitsbild aufgenommen worden. Wenn im meinen Lehrbüchern von traumatischen
Störungen und Krankeitsbildern die Rede war, dann nur im Sinne der Begutachtung
von Spätschäden nach KZ-Aufenthalten jüdischer Überlebender in Nazi-Deutschland,
aber erst recht kein Wort über die Behandlung. Ich habe in der deutschen und internationalen Fachliteratur nur einen
Artikel gefunden, der sich mit der Behandlung traumatischer Störungen
bei bosnischen Flüchtlingen befaßt. Ich habe mich dann oft gefragt, wieso
es eigentlich eine so große Gruppe schwer psychisch kranker Menschen in
unserer Gesellschaft gibt und offensichtlich kaum Behandlungsmöglichkeiten,
wieso wird in unseren Fachpublikationen nicht darüber geschrieben und
gesprochen? Das Ende der Menschlichkeit und die Unmöglichkeit zu wünschen Nun, es gibt viele Gründe, so meine Antwort: da imponieren erst einmal
der fehlende und schwierige Zugang zu unserem Versorgungssystem, Stichwort:
Asylbewerberleistungsgesetz (dieses schließt Psychotherapie für Flüchtlinge
explizit aus!), sowie die sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten.
Sicher kommt hinzu, daß die wenigsten Flüchtlinge, außer den Intellektuellen
aus den Großstädten, mit Psychotherapeuten überhaupt etwas anfangen konnten.
Aber es gibt auch eine psychologische Begründung: das Trauma, der versuchte
Völkermord, die Gewalt, die gerade durch ehemalige Nachbarn und Freunde
ausgeübt wurde, der plötzliche Zusammenbruch einer bis dahin als sicher
erlebten Welt, hat jegliches Vertrauen in hilfreiche menschliche Beziehungen
überhaupt zerstört, geblieben ist ein großes schwarzes Loch; da gibt es
kaum noch Hoffnung, daß Reden, Dialog mit einem anderen Menschen überhaupt
noch etwas bewirken kann. Deshalb habe ich auch den Titel gewählt "Als
das Wünschen noch geholfen hat.." Diese Zeile, die wir oft am Anfang
von Märchen finden, steht mir zentral für den Verlust an Menschlichkeit,
für die abgrundtiefe Resignation der Patientinnen und Patienten. Ja, sagen
sie, es gab einmal eine Zeit, die ist weit her, da waren wir noch Menschen,
mit Zielen und Hoffnungen, mit Wünschen, Freuden und Ängsten, mit Trauer
und Lachen - aber das ist wie aus einer anderen Welt, wie im Märchen,
das gibt es für uns nicht mehr. Es gibt noch den Rest einer Sehnsucht,
die läßt uns nicht ruhen, aber jetzt hilft das Wünschen nicht mehr... Die Ohnmacht des Therapeuten: Politik und Pragmatismus Nun, was bedeutet dies alles für meine,unsere praktische
Arbeit: ich muß gestehen, daß für mich die Tage, an denen ich "Bosnien-Sprechstunde"
halte, die schwierigsten in meiner psychotherapeutischen Tätigkeit sind.
Ich weiß es oft selber nicht, was ich diesen Patienten geben kann, ich
fühle mich genauso ohnmächtig und hilflos wie sie und wir müssen auch
real eingestehen, daß es derzeit eigentlich keine Grundlage für eine effektive
psychotherapeutische Arbeit gibt. Diese würde ja zumindest Sicherheit
vor weiterer Verfolgung voraussetzen sowie die Möglichkeit, sich überhaupt
wieder eine Lebensgrundlage, eine eigene Identität zu schaffen. Dies ist
alles nicht der Fall: die Patienten leben mit der ständigen Drohung, wieder
nach Bosnien abgeschoben zu werden, wissen also nicht, ob sie wieder mit
ihren Peinigern zusammenleben müssen, was für die meisten schlicht unvorstellbar
ist. Sie spüren, und die Ausländerbehörden lassen sie es in regelmäßigen
Abständen wissen, daß sie hier nur vorübergehend geduldet sind und keine
dauerhafte Heimat und Aufnahme finden sollen. So sehe ich es als meine
wichtigste Aufgabe an, den Menschen zu helfen, zumindest ein bißchen Ruhe
vor weiteren Übergriffen des Staates zu finden, und für eine dauerhaftes
Bleiberecht zu kämpfen. Weil ich dieses Bedürfnis der Patienten verstehe und ihnen auch real
zur Seite stehe, ist inzwischen etwas mehr Vertrauen gewachsen und ich
kann ihnen einen Platz anbieten, mit mir ihre Ohnmacht und Hilflosigkeit
zu teilen, ihre Erfahrungen und Erlebnisse zu erzählen, ihre Sorgen und
Beschwerden zu benennen. Ich behandele Schlafstörungen und depressive
Verstimmungen auch oft medikamentös-symptomatisch und ich führe längere
psychotherapeutische Gespräche, wenn die tiefsitzende Angst und die Zerstörung
menschlichen Vertrauens zu gravierenden Störungen im Zusammenleben mit
anderen Menschen führen. Ein Fallbeispiel: Besonders eindrucksvoll war mir die Spätwirkung der traumatischen Erfahrung
bei einer Frau, die miterleben mußte, wie in einer Nacht 6 ihrer 8 Söhne
und ihr Mann getötet wurden. Sie fiel in eine depressive Krise, als ihr
jüngster, noch lebender Sohn ihr anbot, mit ihm nach Kanada auszuwandern.
In mehreren Gesprächen gelang es uns zu klären, daß sie Angst hatte, auch
sein Leben zu zerstören, wenn sie ihm zu nahe käme. Sie berichtete in
diesem Zusammenhang, unter schweren Schuldgefühlen zu leiden, weil sie
ihre Sprache verloren hatten, als sie von den Cetniks gefragt worden war,
wie alt ihr damals 14jähriger Sohn war. Sie bekam kein Wort heraus und
so wurde er als Erwachsener behandelt und mit den anderen umgebracht.
Es wurde klar: sie konnte sich nur noch als zerstörerisch für ihre Kinder
erleben. Wir haben ihr dann gesagt, wieviel Liebe und mütterliche Sorge
wir gerade auch in dieser Angst um ihren noch lebenden Sohn sahen und
daß wir es nicht zulassen würden, daß die Cetniks ihre Liebe zu ihren
Kindern zerstören würden. Frau Dedic, Mitarbeiterin der Beratungsstelle
für bosnische Flüchtlinge, hat dann auch noch mit Sohn und Schwiegertochter
geredet und ihnen das Verhalten der Mutter erklärt. Das hat die Beziehungen
der Familie zueinander wieder deutlich entspannt. Der Film im Kopf und die Arbeit mit Video-Zeugnissen In den letzten Monaten haben wir auch verstärkt mit der schon erwähnten
Technik der Video-Zeugnisse gearbeitet. Dabei lassen wir die Menschen
vor laufender Kamera in ihrer Sprache über ihre traumatischen Erlebnisse
berichten. Ich habe diese Idee bei Dori Laub aufgegriffen und sie hat
mir sehr eingeleuchtet. Dieser hat in Yale ein "National Archiv of
Holocaust Video Testimonies" angelegt. Es geht darum, daß hier ein
öffentliches Zeugnis, ein "testimony" abgelegt wird und damit
dem Film, der täglich in den Köpfen der Patienten abläuft, ein Stück mehr
Realität verliehen wird. Wir widersprechen damit ihren serbischen Peinigern,
die den Männern im Lager sagten: "Wir können hier mit dir machen,
was wir wollen; falls du es einmal schaffst, hier rauszukommen, warnen
wir dich, irgendetwas zu erzählen, den Europa ist klein, wir werden es
erfahren. Aber auch wenn du was erzählst, außerhalb des Lagers wird dir
sowieso keiner glauben, das ist zu unglaublich, was wir mit dir gemacht
haben." Therapeutischer Pragmatismus So setzt sich meine, unsere Arbeit aus vielen verschiedenen Bruchstücken
zusammen: Beratung, psychiatrisch-medikamentöse Therapie, sozialpsychatrische
Hilfestellung, psychotherapeutische Behandlung. Das Ziel ist, wie in jeder
psychoanalytischen Therapie, dem Weiterwirken der traumatischen Erfahrung
entgegenzuwirken, den abgebrochenen Faden der eigenen Lebensgeschichte
wieder aufzurollen, aufzugreifen und weiterzuspinnen, so schmerzlich dieser
Prozeß auch ist und so sehr er auch von den äußeren Realitäten behindert
wird. Ich hoffe, daß diese Patienten in Zukunft durch staatliche Handlungen
nicht weiter traumatisiert werden. Aktuell versuchen wir, in Bosnien erschienene Bücher, die die serbischen
und kroatischen Konzentrationslager sowie die gezielten Massenvergewaltigungen
dokumentieren, ins Deutsche zu übersetzen, um das Geschehen nicht dem
Vergessen und Verdrängen auch in Deutschland anheim fallen zu lassen. Klaus-Dieter Grothe
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Therapeutische Praxis für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern
http://www.grothe.org
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