ZEUGNIS VON M. P., Jg. 1956

Ich heiße M. P., geb.1956 in Derventa, BiH. Dort wuchs ich auch auf und besuchte die Schule. Danach habe ich die Ausbildung zum Metallarbeiter gemacht und habe mich selbst finanziert. Als Kind war ich mit allen befreundet, egal welche Nationalität. Danach ging ich 1976 zum Militär, weil ich mich für mein Land opfern wollte. Als Einparteien-System haben sie uns dazu gelehrt, ohne eigene Ideen und Meinung zu sein. Wenn einer anderes dachte, wurde er bestraft. Trotzdem haben wir gut gelebt und waren gut versichert. In diesem Zeitraum meines Lebens war Frieden, aber es gab auch Benachteiligungen wegen meiner Nationalität. Die Unterschiede, die es gab, habe ich positiv gesehen, weil ich Kroate bin, aber mich mit allen gut verstanden habe. Die Eheschließung zwischen verschiedenen Religionen war nur in Bosnien möglich.

Vor dem Anfang des Krieges merkte man die Angst bei den Menschen. Jemand kam auf die Idee, die Leute zu trennen. Sie wollten ehrlich manche zerstören sowie ihre materiellen und kulturellen Werte. Die ehemalige Volksarmee wurde unsere Mörder. Diese Macht wollte uns alle zerstören. Sie haben den Serben vorgemacht, daß die Kroaten sie angreifen wollten. Sie haben sich bewaffnet und trennten sie von uns. Wir waren ohne Waffen und machtlos gegen solche militärische Kraft. Es kam zur Panik und vor den Augen der ganzen Welt haben sie die Idee in die Tat umgesetzt, alles was nicht serbisch ist, zu zerstören. Manche Serben wurden zum Krieg gezwungen. Es gab keine Ausrede, alle mußten in der Krieg. Das war eine menschliche Tragödie, die immer noch andauert, weil sie eingesehen haben, daß es in keinem Krieg Gewinner gibt und wir als Opfer können das nur verzeihen.

Manchmal frage ich mich, ob dies alles auf eine negative menschliche Energie zurückzuführen ist. In diesem Elend haben viele ihr Leben verloren. Wir sind halbiert mit Körper und Seele, und so fühlen wir uns nicht als Menschen. Wir müssen aber trotzdem weiter denken und unsere Zukunft bauen, weil viele Menschen geblieben sind und das Leben weiter gehen muß. Das sind wir unseren Kindern schuldig. Wir müssen dem anderem verzeihen, damit es weitergeht. Es muß wieder Gerechtigkeit geben, damit es uns und unserem Kinder wieder besser geht.

Das sind die Gründe, weshalb ich nicht nach Bosnien zurückkehren darf:

Vor dem Krieg war ich Funkamateur. Am Anfang des Krieges waren wir 20 Tage belagert. Ich war auf der Todesliste, weil ich diese Funkverbindung besaß und weil ich Kroate bin. Wir haben unser Haus verlassen und uns gerettet. Alle, die gefangen wurden, wurden geschlagen oder massakriert. Das haben unsere nächsten Nachbarn, Serben, in den Nachtstunden gemacht. Die Leute, die überlebt haben, waren fast totgeschlagen: sowohl mein Verwandter S. P. als auch ein anderer, M. P., wurden geköpft. Die Namen der Täter sind bekannt und sie leben trotzdem wie früher in ihren Häusern. Deshalb bleibt die Angst für meine Zukunft und die Zukunft meiner Kinder. Ich will keine niedergebrannten Häuser und Bilder von Toten mehr sehen. Ich würde einen großen Fehler machen, wenn ich mit meinen Kinder zurückkehren würde. Das wäre genauso, als wenn sie mich mit Tigern in den gleichen Käfig setzen würden.

Ich bitte noch einmal diese Stadt und euch, mir und meinen Kinder die Chance für die Zukunft zu geben.