ZEUGNIS VON M. M., Jg. 1977Der Krieg und die Blockade unserer Dörfer und der Stadt Bosanski Novi begann im April 1992. Als die Blockade angefangen hat, durften wir uns nicht mehr bewegen und sie fingen an, unsere Dörfer zu bombardieren. Die serbische Armee und Polizei kamen jeden Abend und durchsuchten bosnische Häuser, wo sie nach Waffen, Geld und Gold suchten. Sie nahmen alles mit, was ihnen gefiel. Dann kamen sie und nahmen die Männer mit, die sie wollten. Sie haben sie geschlagen, umgebracht, und manche kamen nie mehr zurück. Wir durften nicht im Haus sein, sondern versteckten uns im Wald. Wir hatten nichts zu essen, denn sie haben uns alles weggenommen. So ging es bis zum 19. Mai. Dann, am 19. Mai 1992, trieb die serbische Armee Leute aus dreizehn Dörfern, darunter auch unserem Dorf, zusammen. Wir mußten in ein anderes Dorf, Blagaj (Japra) auswandern. Dort blieben wir 18 Tage, wir wurden festgenommen und durften uns nicht bewegen. Wir hatten nichts zu essen und keinen Strom. Denn sie hatten uns alles weggenommen, was wir besassen: Autos, Traktoren, Lkws und so weiter. Nach achtzehn Tagen, an einem Morgen, fing die serbische Armee an, die bosnischen Leute im Dorf zu bombardieren und auf sie zu schießen. Dabei kamen viele Männer, Frauen und Kinder ums Leben. Sie forderten dann die bosnischen Leute auf, in Richtung Bahnhof zu gehen. Vor dem Bahnhof an einer großen Brücke mußten wir anhalten und uns Geld, Gold und wichtige Papiere abnehmen lassen. An dieser Brücke habe sie die Männer von den Frauen und Kindern getrennt. Viele von diesen Männern wurden gleich auf dem Platz umgebracht.. Dann wurden wir zu Eisenbahnwaggons gebracht, wo sie auf uns warteten. Die Männer wurden in die einen Waggons, die Frauen und Kinder in andere Waggons gebracht. Weil die Waggons so voll waren, erstickten manche Leute da. Es gab tagelang nichts zu essen und zu trinken. Es war Nacht, als wir losgefahren sind aus Blagaj. Der Zug hat oft angehalten, dann kam die serbische Armee, öffnete manche Waggons, holten Leute raus und brachten sie weg. Man hörte im Hintergrund Schreie und Schimpfen. Manche serbischen Soldaten riefen, ob die Gräber schon ausgegraben worden seien. Die Frauen und Kinder schrien vor Angst, wenn ihnen zugerufen wurde, daß sie gekillt würden. Wir sind losgefahren und es wurde wieder oft angehalten, wieder kam die serbische Armee und brachte Leute aus den Waggons weg. Wir konnten nichts hören und sehen, weil sie die Türen der Waggons zugemacht hatten, wenn sie mit den Leuten weggingen. Wir sind ungefähr 4-5 Tage gefahren, wir wußten nicht, wo wir hinfahren und wir waren die ganze Zeit in den Waggons. Wir durften nicht rausgehen und wir hatten nichts zu essen und zu trinken. Als wir in Doboj ankamen, mußten wir aus den Waggons aussteigen und wir merkten, daß die Männer fehlten. Frauen und Kinder wurden von der serbischen Armee bis zu einer Brücke gebracht, wo sie dann der bosnischen Armee überlassen wurden. Von da sind wir mit Bussen nach Kroatien gefahren, wo mein Vater gearbeitet hatte. Dort sind wir dann in einem Flüchtlingszentrum untergebracht worden. Der Vater, H.M., Jg. 1954, ergänzt: Nachdem wir aus Blagaj mit den Waggons losgefahren sind, sind wir in die Stadt Banja Luka gekommen, wir waren ungefähr 2 Tage gefahren, das waren ungefähr 50 km. Von Banja Luka haben sie uns nach Bosanski Novi zurückgebracht. Als wir in Bosanski Novi ausgestiegen sind, wurden wir zum Sportplatz (Stadion Mlakve) gebracht, wo wir vom 9.6.1992 bis 23.7.1992 waren. Dort verbrachten wir schreckliche Tage und sie haben uns provoziert. Viele von den Männern wurden geschlagen, umgebracht und verschwanden spurlos. Dank des UNHCR, die herausbekommen hatten, wo wir sind, und die uns dann befreit haben, konnten wir über die Grenze nach Kroatien. Weil ich früher in Zagreb gearbeitet habe, bin ich zurück zu meiner Arbeit gegangen und habe von dort rausgefunden, wo meine Familie lebt. Ich habe dann bis zum 15.7.1993 gearbeitet. An diesem Tag wurde allen Moslems gekündigt. Weil wir keine andere Wahl hatten, mußten wir nach Deutschland kommen.
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