ZEUGNIS VON M.K., Jg. 1963

In den ersten Tagen fingen bewaffnete Serben an, militärische Übungen zu machen. Sie haben gesagt, daß wir nicht flüchten sollen. Danach haben sie auf dem Hauptweg Sipovo-Jajce Busse angehalten, um die Leute darin zu kontrollieren und zu malträtieren. Sie haben meine Cousine geschlagen und ins Unbekannte abgeführt. Sie sind tags und nachts über in unsere Häuser gekommen und haben Geld und Gold gestohlen.

Sie waren auch bei uns und sie haben uns bedroht, alles Wertvolle abzugeben. Meine Mutter würde ohnmächtig, weil sie Angst um meine Schwester und mein Kind gehabt hat. Ich wollte ihr helfen, aber ein Serbe hat mich geschlagen. Er schrie, er bringe uns alle um. Der wollte das Geld von mir haben. Ich habe ihm am Ende das Geld gegeben, weil ich Angst um mein Kind hatte. Seit dem hat es immer Angst.

Am nächsten Morgen schossen sie auf uns. Wir flüchteten in den Keller und danach flohen wir in in den Wald. Ich war die ganze Nacht über mit meinem Kind am Laufen. Die Serben haben eine Gruppe von Männern, Frauen und Kinder hingerichtet. Darunter waren meine Tanten und Cousins. Die ganze Nacht sind wir durch die Wälder gelaufen, bis wir in Jajce angekommen sind. Da haben wir uns ein bißchen ausgeruht, in der Nähe von Jajce haben wir uns bei meiner Schwester stationiert.

Aber nach ein paar Tagen haben die Serben auch hier angegriffen. Sie haben uns granatiert mit Granaten Luft-Erde vom Flugzeug aus. Wir haben uns in einem Bergwerk versteckt. Dort waren wir 23 Tage. Von da an sind wir mit einem Lkw gefahren. Wir mussten nachts fahren, ohne Lichter, damit wir nicht gesehen werden konnten. Wir sind in Gornji Vakuf angekommen und da wurden wir von Kroaten angehalten. Danach sind wir nach Posusje gefahren. Dort haben wir 26 Tage vor einer Kirche geschlafen. Dann sind wir nach Zagreb gefahren. Da haben wir mit vielen anderen Flüchtlingen in einer Moschee geschlafen. Nach 29 Tagen sind wir in Gasinci gekommen. Dort wurden uns kleine Häuser versprochen, aber anstelle von Häusern waren Zelte im Wald aufgeschlagen. Dort waren auch viele Verbündete. Hier waren wir nur eine Nacht gewesen und dann sind wir zu Fuß 25 Kilometer nach Djakovo gelaufen und anschließend mit dem Zug nach Zagreb. Von Zagreb aus sind wir nach Deutschland gekommen. Hier wurden wir schön aufgenommen.