ZEUGNIS VON F.H., Jg. 1955

Ich habe in Trnopolje mit meinem Mann und 5 Kindern gelebt. Mein Mann arbeitete in Slowenien. Als der Krieg anfing, in der zweiten Aprilhälfte, war ich allein mit den Kindern zu Hause und ich konnte nicht mal träumen von der Angst und dem Schrecken, die ich erlebt und überlebt habe, den ich auch heute empfinde, weil keine Nacht vergeht, in der ich nicht von irgend einem durchlebten Ereignis träume und in Angst aufwache. Denn alles, was ich mit 5 minderjährigen Kinder erlebt habe, ist schwer, mit Worten zu beschreiben.

April 1992.

Serben haben alle Ausgänge aus unserem Gebiet blockiert, so daß es unmöglich war, sich frei zu bewegen. Am schwierigsten war es nachts, als die Cetniks in Gruppen spazieren gegangen sind und in die Luft und auf die Häuser geschossen haben, so daß ich nachts mit den Kindern aus dem Haus geflohen bin und mich im Wald  und am Bach versteckt habe. Das war mehr als grauenvoll, weil die Kinder ängstlich waren und geweint haben, und ich habe versucht, sie zu beruhigen und so zu vermeiden, daß die Cetniks uns hören und töten.

Das hat ungefähr 3 Monate gedauert, bis der Tag kam, wo man uns aufgesammelt hat und in Lager brachte. Die Lager waren schon vorher aufgestellt und dort befanden sich schon die Leute aus der weiterem Umgebung.

An dem Tag hat es stark geregnet. Mit uns kamen auch die Männer. Als wir ungefähr 300 Meter von unserem Haus entfernt waren, kamen zwei Soldaten und haben den Bruder von meinem Mann abgeholt und zu den Häusern zurückgebracht. Wir sind weiter Richtung Lager gegangen, als wir die Schüsse gehört haben. Am nächsten Tag, als ich nach Essen gesucht habe, habe ich ihn tot aufgefunden.

An dem Tag, an dem wir total durchnäßt ins Lager kamen, hat man die Männer von uns getrennt und sie in eine Kolonne auf der Straße aufgestellt. Die Cetniks haben in kleinen Gruppen von zwei oder drei Leuten die Männer hinter ein Haus gebracht und dann hat man wieder Schüsse gehört. Wir Frauen und Kinder konnten nur beobachten, wie sie in den Tod gegangen sind.

Als die Cetniks damit fertig waren, haben sie die restlichen Männer in die Busse gebracht. Dann kamen sie zu mir und haben meinen älteren Sohn von 16 Jahren von mir getrennt und auch in den Bus gebracht. In dem Moment bin ich in Ohnmacht gefallen. Als ich zu mir kam, lag ich in der Ambulanz und wusste nicht, wo meine restlichen Kinder waren. Als ich sie fand, weinten sie vor Angst. Jetzt waren bei mir vier Kinder, der älteste 13, die anderen neun und vier Jahre alt, sowie meine drei Monate alte Tochter. Die Kinder waren erschrocken und hungrig.

Am Tag danach haben die Cetniks meinen 13-jährigen Sohn abgeholt und ihn gezwungen, die getöteten Männer zu identifizieren. Als er sie nicht erkennen konnte, obwohl er alle kannte, haben die ihn verprügelt und danach freigelassen.

Die Cetniks haben die ganze Zeit im Lager geschossen und abends haben sie die Frauen und Mädchen ausgesucht, die ihnen gefielen, und haben sie weggebracht und vergewaltigt. Morgens hat man die zurück gebracht, doch leider haben wir die meisten von ihnen nie mehr gesehen. Sie können sich vorstellen, was mit ihnen passiert war.

Solche “Besuche” von Cetniks haben uns in Schrecken versetzt, weil man nicht wußte, wann man dran kommt, um vergewaltigt und umgebracht zu werden.

Wie ich schon am Anfang sagte, ist das Ganze mit Worten schwer zu erzählen; was ich erlebt habe, das kann nur jemand nachvollziehen, der auch im Lager war. Von den Sachen, die ich erlebt habe, könnte man noch lange erzählen. Leider fällt mir das sehr schwer, so daß ich in dieser Aussage nur einen Teil der Ereignisse beschrieben habe.